Nicht alle Mitarbeitenden der Stiftung sind als pädagogische Fachkräfte im Gruppendienst beschäftigt. Den Rahmen für gelingende Kinder und Jugendhilfe schaffen hier auch Menschen, die ergänzende und unterstützende Aufgaben übernehmen. Drei von ihnen erzählen auf den folgenden Seiten von ihren Tätigkeiten, Erfahrungen und ihrer Motivation – abseits der Wohnangebote und doch mitten im Geschehen.

Uta Heinz
… ist Lehrerin an der Dr. David Mansfeld-Schule, einer staatlich anerkannten Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung. Neben jungen Menschen aus Wohnangeboten der Stiftung unterrichtet sie auch externe Schülerinnen und Schüler aus Wolfenbüttel und Umgebung. In kleinen Lerngruppen werden sie individuell gefördert, um den Wechsel auf eine Regelschule vorzubereiten oder einen qualifizierten Abschluss zu erreichen.
Till Ruhe: Frau Heinz, nach Ihrer Tätigkeit an einer öffentlichen Schule sind Sie im Jahr 2011 zur Stiftung gewechselt. Was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen?
Uta Heinz: Ich habe schnell gemerkt, dass das genau das Richtige für mich ist. Hier bin ich viel näher an den Schülerinnen und Schülern dran. Das empfinde ich persönlich als unheimlich bereichernd. An öffentlichen Schulen sind die Klassen ja viel größer, so dass man zu den einzelnen Kindern und Jugendlichen nicht diese engen Beziehungen aufbauen und nicht so gezielt auf sie eingehen kann.
Was schätzen Sie noch an Ihrer Arbeit hier?
Als Kollegium sind wir ein tolles Team. Wir tauschen uns intensiv aus, unterstützen uns gegenseitig und können uns aufeinander verlassen. Ein respektvoller Umgang – sowohl im Kollegium als auch gegenüber den Schülerinnen und Schülern – ist mir sehr wichtig. Außerdem ist unsere Schule einfach ein schöner Arbeitsort. Ich komme morgens auf das weitläufige Gelände mit dem vielen Grün und denke oft: Wie schön! Das trägt ja auch zum Wohlbefinden bei.
Eine Frage zum Unterricht: Orientieren Sie sich an den Lehrplänen der allgemeinbildenden Schulen?
Ja, absolut. Viele Menschen glauben, an einer Förderschule könne gar kein richtiger Abschluss erworben werden. Das stimmt aber nicht. Im Gegenteil: Wir haben teilweise sehr starke Schülerinnen und Schüler, die den erweiterten Realschulabschluss erreichen.
Worin besteht der besondere Förderbedarf?
Das ist ganz unterschiedlich. Manche brauchen vor allem Motivation, andere müssen zunächst in ihrem Selbstwert gestärkt werden. Häufig arbeiten wir ganz intensiv auf der sozial-emotionalen Ebene, um die nötige Stabilität zu schaffen. Besonders schön ist es, wenn ehemalige Schülerinnen und Schüler zu Besuch kommen und berichten, dass sie sich bei uns angenommen und wohl gefühlt haben. Solche Rückmeldungen zeigen, wie wichtig unsere Arbeit ist, und machen sie besonders erfüllend.
Einige der jungen Menschen bringen traumatische Lebenserfahrungen mit oder haben psychiatrische Erkrankungen. Belastet Sie das manchmal persönlich?
Das kommt nur sehr selten vor. Da habe ich eine gute Resilienz, denke ich. Die positiven Erlebnisse überwiegen ganz eindeutig.

Jarno Hübsch
… ist gelernter Tischler und schon über zwanzig Jahren für die Stiftung tätig, seit 2012 leitet er die Abteilung Bau und Instandhaltung. Im Gespräch berichtet er von seinem vielseitigen Arbeitsalltag, dem Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aus den Wohnangeboten und seiner persönlichen Entwicklung.
Till Ruhe: Jarno, du bist als Handwerker bei einem Jugendhilfeträger beschäftigt. Wie kann man sich das vorstellen?
Jarno Hübsch: Das ist definitiv kein klassischer Tischlerjob, bei dem ich nur Fenster einsetze oder Tag für Tag Möbel in der Werkstatt zusammenbaue. Hier ist man eher Allrounder und hat ganz verschiedene Aufgaben. Im Laufe der Jahre habe ich unglaublich viel dazugelernt. Dazu gehören zum Beispiel Malerarbeiten – denn Streichen ist nicht gleich Streichen. Es gibt unterschiedliche Techniken und Oberflächenbeschichtungen, von Glasgewebe bis Raufaser. Auch mit Heizungstechnik haben wir regelmäßig zu tun.
Wie sieht ein typischer ein Arbeitstag von dir aus?
Ich stehe kurz nach fünf Uhr auf. Vor der Arbeit gehe ich eine halbe Stunde schwimmen. Um sieben Uhr sitze ich dann im Büro unserer Werkstatt in Goslar und checke erstmal die E-Mails. Zwar gibt es eine Wochenplanung, doch fast täglich kommt etwas Unvorhergesehenes dazwischen: kaputte Türen, undichte Waschmaschinen oder die dringende Zimmerrenovierung für die Notaufnahme eines Kindes. Wir arbeiten mit und für Menschen – da muss man den Tagesplan schon mal komplett umwerfen. Als Leiter übernehme ich organisatorische Aufgaben und bin viel mit externen Firmen im Austausch, die für uns tätig sind. Ich arbeite aber auch noch viel handwerklich mit.
Wie viele Leute seid ihr in der Abteilung Bau und Instandhaltung?
Unser Team besteht aus sechs Mitarbeitern: einem Malermeister, einem Maler, einem Zimmermann und neben mir zwei weiteren Tischlern. Die Kollegen fahren morgens meist direkt auf die Baustellen, wenn sie nicht noch Material oder Möbel aus der Werkstatt benötigen. In dem Fall werden die Fahrzeuge hier beladen, bevor es losgeht.
Wie erlebst du die Zusammenarbeit mit den pädagogischen Fachkräften?
Ich sehe unsere Aufgabe darin, die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen zu unterstützen, indem wir die passenden Rahmenbedingungen schaffen. Dabei werden wir nicht als reine Dienstleister wahrgenommen, sondern als Kolleginnen und Kollegen. Natürlich treffen auch mal unterschiedliche Arbeitswelten aufeinander, und nicht alles lässt sich immer so umsetzen, wie die Wohngruppen sich das wünschen. (lacht) Aber es ist immer ein gutes Miteinander.
Und wie ist der Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen?
Gerade für die Kinder ist es immer aufregend, wenn wir vorbeikommen. Sie sind neugierig, stellen viele Fragen und helfen gern ein bisschen mit. Das finde ich klasse. Die Jugendlichen sind da manchmal zurückhaltender – das sind halt Teenies. Die Älteren haben aber die Möglichkeit, bei uns ein Praktikum zu machen oder sogar eine Ausbildung. Oft geht es dann erstmal darum, einen geregelten Arbeitsalltag kennenzulernen, wie er später ja auch im Beruf auf sie wartet. Wenn die Jugendlichen das dann annehmen und engagiert mitarbeiten, freut man sich natürlich.
Du hast bereits erwähnt, dass du beruflich viel dazugelernt hast. Inwiefern hat dich die Arbeit in der Stiftung auch menschlich geprägt?
Ich bin auf jeden Fall toleranter geworden. Hätte ich mein ganzes Berufsleben im klassischen Handwerk verbracht, hätte ich vermutlich nicht so viel Verständnis für die Herausforderungen und Probleme junger Menschen entwickelt. Ich habe selbst keine Kinder, aber wenn die Kleinen in den Wohngruppen mit strahlenden Augen auf mich zukommen, geht mir jedes Mal das Herz auf.

Stefan Kück
… ist gelernter Fachinformatiker für Systemintegration und in der Stiftung erster Ansprechpartner für alle IT-Fragen, häufig auch für die Kinder und Jugendlichen selbst. Im Interview erzählt er, was seine Arbeit in der Jugendhilfe von früheren Stationen unterscheidet, was er besonders schätzt und woran er sich zunächst gewöhnen musste.
Till Ruhe: Stefan, du bist jetzt seit über sechs Jahren bei der Stiftung. Was hast du vorher gemacht?
Stefan Kück: Ich habe ein paar Jahre für die Volkswagen Coaching GmbH gearbeitet, da ging es primär um die technische Umsetzung von Schulungen und dazu gehörigen Projekten. Später war ich bei einem Pressevertrieb beschäftigt. Dort war alles stark gewinnorientiert. Es zählten vor allem Verkaufszahlen und Profitsteigerung. Irgendwann wollte ich etwas anderes machen: Einen Job, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Über einen Radiobeitrag bin ich auf die Mansfeld-Löbbecke-Stiftung aufmerksam geworden und habe mich als Systemadministrator beworben. Der soziale Bereich war komplett neu für mich. Kinder und Jugendliche in Wohneinrichtungen – das kannte ich bis dahin nur aus den Medien.
Hast du im Arbeitsalltag direkten Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen?
Ja, auf jeden Fall. Ich bin regelmäßig in den Wohnangeboten unterwegs. Die Kleinen fragen dann neugierig: »Wer bist du? Was machst du hier?« Das ist immer sehr sympathisch. Bei den Älteren drehen sich die Gespräche oft um Technisches: W-Lan, YouTube und die Frage, was erlaubt ist und was nicht.
Und wie erlebst du das Miteinander hier?
Die Pädagoginnen und Pädagogen sind sehr kommunikativ und drücken sich gerne gewählt aus. (lacht) Daran musste ich mich erst gewöhnen. Aber ich mag diese soziale Komponente, die man im Umgang spürt. Der ist viel persönlicher und wertschätzender als bei meinen früheren Arbeitgebern. Man spricht offen, konstruktiv und respektvoll miteinander – unabhängig von Hierarchien. Das macht die Arbeitsatmosphäre sehr angenehm.
Du kümmerst dich nicht nur um die technische Infrastruktur in den Wohnangeboten. Was zählt noch zu deinen Aufgaben?
Ich bin für den gesamten IT-Betrieb der Stiftung zuständig. Das betrifft Server, Telefonanlagen, digitale Akten, Software, Hardware und das Thema Sicherheit. Da arbeiten wir natürlich auch mit externen Dienstleistern wie der Telekom zusammen.
IT-Sicherheit ist ein großes Thema.
Definitiv. Wir müssen unsere Daten und Systeme vor Angriffen schützen – etwa durch Firewalls, Backups und automatisierte Monitoring-Systeme. Gleichzeitig tragen wir Verantwortung für den Schutz der Kinder und Jugendlichen. Dafür setzen wir unter anderem cloudbasierte Kinderschutzsoftware ein. Allerdings sind die Kids oft erstaunlich kreativ, wenn es darum geht, Sperren zu umgehen. Auch die Mitarbeitenden muss ich immer wieder dafür sensibilisieren, dass sie Passwörter nicht offen herumliegen lassen und keine unbekannten E-Mail-Anhänge öffnen. Es bleibt ein kontinuierlicher Prozess, Sicherheit zu gewährleisten.
Nach einer Weiterbildung bei der IHK darfst du jetzt auch ausbilden.
Ich habe die Ausbildereignungsprüfung erfolgreich abgelegt und bin nun berechtigt, angehende Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker auszubilden. Ich freue mich darauf, Wissen und Erfahrungen weiterzugeben. Zuletzt hat mich schon ein 16-jähriger Schüler im Rahmen eines dreimonatigen Praktikums unterstützt. Er war richtig engagiert und wissbegierig. Das hat wirklich Spaß gemacht.