Das teilstationäre Angebot richtet sich an Familien mit Kindern im Alter von sechs bis 13 Jahren, die am Nachmittag eine verlässliche, qualifizierte Förderung benötigen. Hier kann man erfahren, wie so ein Tag in der Tagesgruppe abläuft.

Seit September des vergangenen Jahres besuchen bis zu zehn junge Menschen die neue Tagesgruppe der Stiftung in Wolfenbüttel. Ziel ist, gemeinsam mit den Eltern eine ressourcenorientierte Kinderbetreuung zu erarbeiten und – wenn möglich – eine stationäre Unterbringung außerhalb der Herkunftsfamilie zu vermeiden. Gerade diese präventive Ausrichtung und ihr systemisches Konzept unterscheiden die Tagesgruppe von schulischer Ganztagsbetreuung: Es stehen zwar Aufsicht und Lernbegleitung im Fokus, vor allem aber die individuelle Entwicklung des Kindes im Zusammenspiel mit seinem sozialen Umfeld.
Am Mittag: Der Abholdienst
Ein Fahrdienst holt die Kinder mittags von ihren Schulen in Wolfenbüttel und Umgebung ab. Kaum angekommen in den hellen, freundlich gestalteten Räumlichkeiten, füllt sich das Haus mit Leben. Neben großzügigen Spiel- und Bewegungsflächen finden sich hier gemütliche Rückzugsorte. Die räumliche Struktur folgt einem klaren pädagogischen Ansatz: Sie schafft sowohl Gelegenheiten für gemeinschaftliches Erleben als auch geschützte Bereiche für Ruhe und Selbstregulation.
Am Nachmittag: Essen, spielen, lernen

Der Nachmittag beginnt mit einem gemeinsamen Mittagessen, das vor Ort frisch von ausgebildeten Köchen zubereitet wird und Vorlieben sowie kulturelle Besonderheiten berücksichtigt. Dieses Ritual bietet nicht nur eine gesunde Mahlzeit, sondern auch einen wichtigen sozialen Ankerpunkt: Hier werden Gespräche geführt, Tageserlebnisse geteilt und ein respektvolles Miteinander eingeübt. Dass das schon fruchtet, zeigt sich bei der Begrüßung von Ryan, der neu in der Tagesgruppe ist. »Die anderen Kinder haben von sich aus erklärt, worauf wir Wert legen: Nicht spucken, nicht beleidigen«, freut sich Betreuerin Anja Zigelski. Anschließend powern die Kinder sich aus. Das weitläufige Außengelände mit Spielplatz, Basketballkorb, Kettcars und viel Grün lädt zu Bewegung und freiem Spiel ein. In den Sommermonaten begegnet man hier sogar Hühnern und Schafen – eine naturnahe Lebenswelt, die Verantwortungsgefühl und Achtsamkeit fördert. Im gemeinsamen Spiel entwickeln die Kinder soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Konfliktlösung und Empathie.
Während der schulischen Förderung wird es ruhiger. In Kleingruppen oder Einzelsetting erhalten die Kinder individuelle Hausaufgabenhilfe und gezielte Lernunterstützung. »Wir sind mit den Lehrern und Schulbegleitern im Austausch und wissen deshalb immer, auf welchem Stand die Kinder sind«, erzählt Anja Zigelski. Daran anknüpfend werden kognitive Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistung, Sprachkompetenz und Problemlösung systematisch trainiert.
Zum Ausklang: Austausch

Zum Abschluss des Tages ist wieder Zeit für gemeinschaftliche Aktivitäten: Gesellschaftsspiele, kreatives Bauen mit Lego oder auch mal ein Film im beliebten ›Kinozimmer‹. Und es bietet sich Gelegenheit für persönliche Gespräche mit den Betreuerinnen und Betreuern. So finden Sorgen und Unsicherheiten Raum in geschütztem Rahmen, in dem Kinder Vertrauen aufbauen und emotionale Stabilität entwickeln können.
Am Ende des Tages : Die Kinder und ihre Familien werden gestärkt
Konzeptionell vereint die Tagesgruppe drei zentrale Bausteine: soziales Lernen in der Gruppe, schulische Förderung und intensive Elternarbeit. Regelmäßiger Austausch, verbindliche Beratungstermine und transparente Zielvereinbarungen mit Sorgeberechtigten und Jugendamt sind feste Bestandteile dieses Ansatzes. So entsteht ein unterstützendes Netzwerk, das Kinder nicht nur durch den Alltag begleitet, sondern ihre Entwicklung ganzheitlich fördert – fachlich fundiert, alltagsnah und mit einem klaren Blick auf ihre individuellen Stärken.